Masthühner Stall Crop
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Geflügel

Wenn wir von Geflügel sprechen, meinen wir Hähnchen, Puten, Enten und Gänse. Das sind die nachgefragtesten und damit auch bedeutendsten Geflügelarten für uns hessische Bauern. Der über die letzten Jahre stetig ansteigende Geflügelfleischverzehr hat gute Gründe. Hier ein paar Einblicke in unsere Arbeit und knackige Facts zu unseren Tieren.

Hähnchen sind die Nummer Eins

Masthühner Küken
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Im Unterschied zu Legehennen werden Hähnchen – in unseren Kreisen auch als Broiler bezeichnet – speziell für die Fleischerzeugung gehalten. Anders als man es vielleicht von der Wortbedeutung her vermuten mag, gilt der Begriff „Hähnchen“ gleichermaßen für männliche und weibliche Masthühner. 65 Prozent des gesamten Geflügelfleischverzehrs wird allein mit Hähnchenfleisch gedeckt. Heute werden die Tiere innerhalb von 4 bis 10 Wochen auf ein Gewicht von bis zu 3 Kilogramm aufgezogen. Wir hessischen Bauern halten auf unseren ca. 740 Mastbetrieben rund 1,1 Millionen Broiler. Das mag vielleicht im ersten Moment nach enorm vielen Tieren klingen, doch könnte die hessische Produktion nur etwa ein Drittel des jährlichen Verzehrs der Hessen – fast 9 Kilogramm je Kopf – abdecken.

Gefluegel

Erst seit den 1920er Jahren begann in den USA die gezielte Trennung von Lege- und Mastrassen. Daraus entstand das sog. Hybridhuhn, welches aus mehreren Kreuzungen verschiedener Rassen entstand. Hybridhuhn klingt nach Superheld – Lege- und Masthybride sind aber nur andere Bezeichnungen für Kreuzungsrassen. Die genetischen Ursprünge von Lege- und Mastrassen sind identisch: Man vermutet, dass das Haushuhn von dem Bankivahuhn aus Südostasien abstammt.

Großer Vogel, viel dahinter

Puten in Offenstall
Bild: Budimir Jevtic, Adobe Stock

Wenn ihr schon einmal eine Pute gesehen habt, wisst ihr, dass Puten zu einer der größeren Arten der Hühnervögel gehören. Durch ihre unterschiedliche Gefiederfärbung unterscheiden wir die heute auf unseren Höfen in Hessen lebenden Tiere zum Beispiel in weiße, schwarze und Cöllwitzer Puten. Ganz charakteristisch ist der rote, ungefiederte und warzenbesetzte Kopf, der den Tieren ein einzigartiges Erscheinungsbild verleiht. Wusstet ihr, dass Puten ein Gewicht von bis zu 18 Kilogramm erreichen können? So sollte der Star des amerikanischen Erntedankfestes ‚Thanksgiving‘ niemanden hungrig zurücklassen. Der Bezug zu Amerika kommt übrigens nicht von ungefähr: Die Puten stammen ursprünglich aus Südamerika und wurden von den spanischen Seefahrern im 16. Jahrhundert mit nach Europa gebracht. Bis sie sich hierzulande dann etabliert haben, hat es aber noch einmal ein paar Jahre gedauert: Erst seit 1970 sind sie ein fester Bestandteil der hessischen Landwirtschaft.

Gefluegel

Kennt Ihr den Unterschied zwischen Puten und Truthähnen? Wir auch nicht. Als Pute oder (Haus)Truthuhn bezeichnet man offiziell die domestizierte Form des wildlebenden Truthuhns. Die männlichen Tiere nennt man Truthahn oder auch Puter, die weiblichen Tiere werden Truthuhn, Truthenne oder einfach nur Pute genannt.

Von China bis Jerusalem – Pekingenten und Weihnachtsgans

Gänse Freiland
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Hähnchen und Puten sind aber nicht die einzigen Mastgeflügelarten, die wir auf unseren Höfen in Hessen halten. So sind auch Hausenten – insbesondere die ursprünglich in China gezüchtete Pekingente oder die Flugente – in hessischen Ställen zu finden. Pekingenten haben einen massiven Körper und ein weißes Gefieder. Der Schnabel und die Füße sind gelb. Da Enten Wasservögel sind, müssen sie gut vor Kälte und Nässe geschützt sein. Ganze 10.000 Daunen – so bezeichnet man den zarten Brustflaum von Enten und Gänsen – und die Deckfedern übernehmen diesen Job. Darüber hinaus gibt es in Deutschland etwa 17 Gänserassen. Die heutige Hausgans mit zumeist weißem Federkleid stammt von der wild lebenden europäischen Wild- oder Graugans ab. In der Regel haben Gänse einen längeren Hals als Enten, woran sie sehr gut zu unterscheiden sind. Insgesamt können Gänse ein Gewicht von ca. 5 bis 12 Kilogramm erreichen. Der Ausdruck „dumme Gans“ soll wohl an das lautstarke Geschnatter der Gänse angelehnt sein, in Wirklichkeit besitzen Gänse aber eine sehr ausgeprägte soziale Intelligenz. Mit ihrem Geschnatter können sie ihre Artgenossen vor Gefahren schützen – aber nicht nur die: Gänse wurden früher meist in Vorgärten gehalten, um die Menschen vor Eindringlingen zu warnen. Dieser tierische Sicherheitsdienst wird heute aber kaum noch nachgefragt.

Für jeden die passenden Bedingungen

Masthühner Freiland
Bild: yanadjana, Freepik

Hähnchen halten wir hessischen Bauern vorwiegend in eingestreuten Bodenhaltungsställen. Als Einstreu dient dabei Stroh oder Sägemehl, welches den Tieren als Schlafplatz und zum Scharren dient. Bei der Bodenhaltung sorgen Belüftungsanlagen effektiv für frische Luft und Fenster für Tageslicht. Bei Hähnchen noch Nische, so überwiegen bei der Putenhaltung offene Stallkonzepte, die eine natürliche Luft- und Lichtzufuhr bieten. An immer mehreren unserer Ställe sind zudem Wintergärten angebaut, wodurch sich die Tiere in einem geschützten und überdachten Außenbereich aufhalten können. Immer größere Bedeutung gewinnt in Hessen auch die Freilandhaltung von Hähnchen in Mobilställen. Wir füttern unsere Hähnchen und Puten mit Getreide, welches mit einem Eiweißträger, wie z. B. Erbsen oder Bohnen, aufgemischt wird. Enten werden überwiegend in Bodenhaltungsställen, aber auch im Freiland gehalten. Auf ihrem Speiseplan stehen Pflanzen, Sämereien, Schnecken, Würmer und Getreide. Genauso wie Enten lieben es Gänse, wenn wir ihnen Bademöglichkeiten zur Verfügung stellen. Gänse mögen längere Spaziergänge im Grünen, weshalb sie meist in Freilandhaltung aufgezogen werden. Sie mögen Getreide, frisch geschnittenes Grünfutter wie aber auch gehobeltes Gemüse am liebsten.

Fleisch, Fett und Federn

Wir hessischen Bauern halten Geflügel natürlich in erster Linie zur Fleischgewinnung. Der Trend der zunehmenden Beliebtheit von Geflügelfleisch ist dabei kein hessisches Phänomen: Aufgrund von veränderten Verzehrgewohnheiten hin zu magerer Kost, ist über die letzten Jahre hinweg global ein Anstieg von Geflügelfleischverzehr und -erzeugung zu beobachten – besonders von Hähnchenfleisch. Das Fleisch von Gänsen, Enten und Puten ist insbesondere zu Weihnachten sehr gefragt. Aus den Federn von Enten und Gänsen werden wegen der hervorragenden Eignung als wärmedämmendes Füllmaterial bekanntlich auch viele Kissen hergestellt. Vor allem aber werden Daunen für Bettdecken und Winterbekleidung verwendet, da sie nicht nur sehr weiche, sondern zugleich auch ein sehr leichtes Füllmaterial sind. Gänsefett, welches sich durch einen hohen Gehalt an ungesättigten Fettsäuren auszeichnet, hat kulinarische Bedeutung! Zum einen kann es sehr gut zum Anbraten von Gemüse oder Fleisch verwendet werden und zum anderen kann aus dem Fett ein leckerer Brotaufstrich, also Gänseschmalz, hergestellt werden. Dieser ist aufgrund des hohen Gehalts an ein- und mehrfach ungesättigten Fettsäuren gesünder als ihr vielleicht denkt: Fettsäuren im Gänsefett sind zu rund 50 Prozent identisch mit denen im Olivenöl.

Gefluegel

Wusstet ihr, dass Puten die einzige Geflügelart sind, die gleich zwei Sorten Fleisch bieten? Einerseits das helle, milde Fleisch der Brust und andererseits das dunklere, kräftige Keulenfleisch. Die beiden Fleischarten unterscheiden sich aber nicht nur im Geschmack voneinander, sondern auch bei der Zusammensetzung: Während die Brust mehr Eiweiß enthält, steckt in der Keule etwas mehr vom Aromageber Fett. Deshalb schmecken die Keulen auch etwas kräftiger.