Rapsfeld
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Raps

Die im April und Mai blühenden Rapsfelder verwandeln Hessens Landschaften in ein gelbes Blütenmeer. Doch mal weg von den Oberflächlichkeiten, Raps kann natürlich noch viel mehr als nur gut aussehen. Von Salatdressing über Treibstoff der Zukunft bis hin zu Festmahl für Bienen und Co ist alles dabei. Die kleinen, dunklen Samen verhelfen ihm gleich zum nächsten sprachlichen Kniff: Die hinlänglich als Schwarzes Gold bezeichnete Ölfrucht bereichert nicht nur Speisekarten und Industrie, sondern auch unsere Fruchtfolgen.

Der Alleskönner

Biodiesel
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Ein kurzer Blick in den Kühlschrank verrät euch, was man alles mit Raps machen kann. Dort steht vielleicht Rapsöl, mit welchem du etwas anbraten oder Salatdressings anrühren kannst. Auch ist es Grundlage vieler Margarinen. Rapsöl trägt heute zu einer durch und durch gesunden Ernährung bei, da es bis zu 65 % einfach und rund 30 % mehrfach ungesättigte Fettsäuren enthält – ungesättigte Fettsäuren sind Stoffe, die unser Körper dringend braucht, um gesund zu bleiben, die er aber nicht selbst herstellen kann.

Aber Raps kann noch viel mehr: Nur etwa 30 Prozent des aus unserer Ernte erzeugten Rapsöls wird zur Nahrungsmittelproduktion oder als Speiseöl verwendet. In Deutschland ist Rapsöl derzeit das einzige einheimische Pflanzenöl, das in großen Mengen auch für eine energetische Nutzung zur Verfügung steht. Als Biokraftstoff zählt es zu den erneuerbaren Energieträgern und kann somit maßgeblich dabei helfen, den Klimawandel einzubremsen. Gut die Hälfte des hergestellten Rapsöls wird entweder zu Biodiesel verarbeitet oder ohne eine weitere chemische Umwandlung als Pflanzenölkraftstoff genutzt. Weitere 12 Prozent fließen als technische Fette und Öle in verschiedene industrielle Anwendungen: Zum Beispiel als Alternative zu herkömmlichen Schmierstoffen oder auch in der Herstellung von Hydrauliköl, Farben, Lacken, Kerzen, Emulgatoren, Pharmazeutika, Kunststoffen, Weichmachern, Tensiden und Seifen. Produkte aus Rapsöl schonen dazu auch noch unsere Umwelt, da sie zu 100 % biologisch abbaubar sind. Und die ausgepressten Samen kommen natürlich nicht einfach in die Mülltonne: Aus ihnen werden noch hochwertige Futtermittel für unsere Tiere hergestellt.

Ungeahnte Geschwister

Nun aber noch einmal ein kurzer Ausflug in die Botanik: Raps gehört zur Familie der Kreuzblütler (Brassicaceae). Wie der Name schon vermutet lässt, sind die Blütenblätter dieser Pflanzenfamilie ähnlich einem Kreuz angeordnet und nicht zusammengewachsen. Und noch etwas nicht so Offensichtliches: Raps zählt zu den Kohlarten.

Die Pflanzen bilden stark verzweigte Stängel aus. Die Schoten – nicht zu verwechseln mit einer Hülse: diese besitzen eine innerliche „Trennwand“ – können unter günstigen Bedingungen sogar über 20 kleine Samen in der Schote ausbilden, welche wiederum einen Ölgehalt von 40 bis 45 Prozent haben.

Raps

Hättest du gedacht, dass der gelbe Raps mit Brokkoli, Radieschen oder Kresse verwandt ist?

Und ist dir auch schon einmal der Geruch von Kohl nahe unserer Rapsfelder aufgefallen?

Ein Meisterstück der Pflanzenzüchtung

Rapsöl
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Dass man Raps vielseitig nutzen kann, wissen die Menschen schon lange. Die Pflanze kommt eigentlich aus Asien und den Ländern um das Mittelmeer und wurde schon vor rund 4000 Jahren angebaut. Bei uns in Hessen wächst Raps seit etwa 700 Jahren und seitdem wird aus den Samen Öl hergestellt. Anders als heute wurde das Rapsöl damals weniger zu Speisezwecken und vielmehr als Lampen- und Schmieröl eingesetzt. Wieso das? Das liegt an der sogenannten Erucasäure, welche damals noch in hohen Mengen in Rapsöl enthalten war. Diese Fettsäure bewirkt eine gute Schmierfähigkeit und eignet sich dadurch bestens als Maschinenöl. Da Erucasäure die Herzmuskulatur schädigen kann, war Rapsöl verständlicherweise weniger als Speiseöl beliebt.

Das änderte sich jedoch schnell, als man in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts die Züchtung intensivierte. Und diese Arbeit hat sich richtig gelohnt. Heute bauen wir komplett erucasäurefreie Rapssorten an, die ein Speiseöl mit einem für die menschliche Ernährung hervorragenden Fettsäuremuster und darüber hinaus ein wertvolles Eiweiß für die Tierfütterung liefert.

Lässt sich fast ein Jahr Zeit

Rapsschote
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Wir nennen den Raps, der im Mai auf den Feldern blüht, auch Winterraps. Das kommt daher, dass die jungen Rapspflanzen erst noch den kalten Winter überstehen müssen. Raps hat es nach der Ernte im Juli am eiligsten: Wir säen ihn schon Mitte bis Ende August aus. Nach nur wenigen Tagen entwickelten sich aus den Körnern kleine Pflanzen. Da unsere Rapspflanzen es aber gar nicht mögen, wenn es kalt wird, stellen sie – um sich vor Kälte zu schützen – im Spätherbst ihr Wachstum ein und legen ihre Blätter flach auf den Boden. Wenn es dann im Frühjahr wieder hell und warm wird, geht es dafür umso schneller und die Pflanzen wachsen rasch in die Höhe. Raps tut auch unserer Fruchtfolge richtig gut: Er wurzelt tief und lockert dabei den Boden auf.

Nachfolgende Kulturpflanzen können dann leichter wachsen. Mit seinen tiefen Wurzeln erschließt der Raps außerdem auch Nährstoffe und hinterlässt sie den nachfolgenden Früchten. Nach Raps werden deshalb häufig Weizen, Gerste oder Roggen angebaut, die besonders vom Raps als Vorfrucht profitieren können.

Im Juli wird der Raps reif, die Schoten sind nun eingetrocknet und wir können den Raps mit unserem Mähdrescher ernten.

Ganz vorne mit dabei

Rapsernte
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Heute ist Raps die mit Abstand bedeutendste Ölpflanze in Hessen. Er wurde 2019 auf einer Fläche von über 27.000 Hektar angebaut. Wir Bauern in Hessen tragen also maßgeblich dazu bei, dass Deutschland um die ersten beiden Plätze der Raps-Europameisterschaft mitspielt: Nur in Frankreich wird innerhalb der Europäischen Union so viel Raps angebaut wie bei uns.

Tierische Verehrer

Nicht nur für die Menschen ist der Raps von so großer Bedeutung, sondern auch für unsere Honigbienen. Die Rapsblüten in Hessen bieten den Honigbienen, wie auch vielen weiteren Insekten, eine wichtige Nektarquelle. Aus einem Hektar blühendem Raps können so etwa 100 Kilogramm Honig hergestellt werden.

Raps

Es scheint, als würde auf einigen unserer Felder auch im Spätherbst noch Rapsfelder blühen. Wusstet ihr, dass es sich dabei aber um Senf handelt, welchen wir als Zwischenfrucht anbauen. Senf ist nicht nur eng mit Raps verwandt, sondern sieht ihm in der Blüte auch sehr ähnlich. Der Anbau dient der Verbesserung der Bodenfruchtbarkeit und der Stabilisierung des Bodengefüges. Zusätzlich hilft er als Gründünger den folgenden Kulturen oder kann sogar verfüttert werden.