Milchkuh auf Weide
Bild: PhilippT, pixabay

Rinder

Etwa 400.000 Rinder leben in den Ställen und auf den Weiden von ungefähr 7.500 hessischen Bauernhöfen. Davon sind etwa 125.000 Milchkühe, durch die für jeden Hessen ein halber Liter Milch je Tag in Form von Trinkmilch, Käse, Sahne, Joghurt, Quark, und, und, und zusammenkommen. Fleischrinderrassen unterscheiden sich auch äußerlich mitunter deutlich von unseren Milchkühen. Mal sehen, ob ihr schon alles über die Rinderhaltung wusstet!

Wieder und wieder

Milchkühe fressen
Bild: yuchynskyi, Freepik

Wie ihr sicher wisst, gehören Rinder zu den Wiederkäuern. Aber was genau heißt das eigentlich? Wir versuchen es einmal zu erklären: Rinder haben nicht nur einen Magen wie wir Menschen, sondern gleich mehrere. Um genau zu sein: Ganze vier Stück. Das sind die drei Vormägen (Pansen, Netzmagen und Blättermagen) sowie der eigentliche Magen, der sogenannte Labmagen. Die Nahrung wird im Pansen mit Hilfe von Bakterien vorverdaut, dann in kleinen Portionen wieder zurück in die Mundhöhle transportiert und anschließend ein zweites Mal gründlich gekaut. Daher kommt auch die Bezeichnung: Wiederkäuer. Nur deswegen können Rinder Gras verdauen und die Energie daraus verwerten. Wir Menschen können das mit unserem – im wörtliche Sinne – einfachen Magen nicht. Daher sind Rinder auch so wichtig für den Erhalt unseres Grünlandes. Denn nur wenn Wiesen und Weiden regelmäßig abgefressen oder gemäht werden, bleiben sie erhalten. Andernfalls würden sie mit der Zeit verbuschen.

Milchkuh

Wichtige Vokabeln!

Kalb: 0 bis 6 Monate altes weibliches oder männliches Rind
Färse: weibliches Rind, das noch kein Kälbchen bekommen hat
Kuh: weibliches Rind, das schon mal ein Kälbchen bekommen hat
Bulle: geschlechtsreifes, männliches Rind
Ochse: kastriertes, männliches Rind

Kuh ist nicht gleich Kuh

Limousin
Bild: Dejavu Designs, Freeik

Wie bei vielen andere Tierarten, gilt auch hier:  Spezialisierung ist der Schlüssel zum Erfolg. Wir Bauern unterscheiden nämlich zwischen Milchkühen und Fleischrindern. Wenn wir auf unseren Höfen Milch produzieren und anschließend sogar Käse oder Joghurt aus dieser herstellen möchten, halten wir in unseren Ställen bzw. auf unseren Wiesen und Weiden Milchkuhrassen. Fleischrinderrassen hingegen unterscheiden sich nicht nur in Fell und Farbe. Sie haben besitzen deutlich mehr Muskelmasse und stärker marmoriertes Fleisch.

Milchkuh

Wusstet Ihr, dass eine Kuh erst mal ein Kälbchen zur Welt bringen muss, um Milch zu geben?

Die Tragezeit einer Kuh dauert 9 Monate und 9 Tage, etwa so lange wie die Schwangerschaft bei einer Frau. Das Kälbchen wird nach der Geburt mit der so genannten Biestmilch versorgt. Diese enthält wichtige Inhaltsstoffe.

Die Allrounder

Fleckvieh im Stall
Bild: karepa, Adobe Stock

Die Zweinutzungsrassen kombinieren die Leistungsmerkmale Milch und Fleisch zu jeweils unterschiedlichen Teilen. So spricht man von milchbetonten, fleischbetonten oder milch- und fleischbetonten Rassen. Typische Zweinutzungsrassen sind z.B. Fleckvieh, Gelbvieh, Deutsches Schwarzbuntes Niederungsrind, Pinzgauer, Vorderwälder, Hinterwälder.

Muskelprotze

Limousintiere auf dem Hof von Familie Wickert
Bild: Dirk Wickert

Bei den Fleischrinderrassen steht die Erzeugung von Fleisch im Vordergrund. Die Tiere sind muskulöser und zeigen eine bessere sowie feinfaserige Fleischstruktur als Milchkühe und Zweinutzungsrassen. Typische Fleischrinderrasen sind beispielsweise: Limousin, Charolais, Angus, Galloway.

Wir müssen zugeben, bei den ganzen Begrifflichkeiten kann man schon einmal durcheinanderkommen... Fleischrinderrassen werden oft auch als Mutterkühe bezeichnet. Sie werden nicht gemolken, sondern ziehen mit ihrer gesamten Milch ihre Kälber groß, die dann geschlachtet werden, wenn sie ausgewachsen sind. Unsere Mutterkühe werden mit ihren Kälbern über den Sommer auf der Weide gehalten und verbringen die kalten Winter dann im Stall.

Milch, Fleisch und vierbeinige Traktoren

Wusstet Ihr, dass Rinder schon seit Jahrtausenden als Nutz- und Arbeitstiere gehalten werden? Bereits 8.000 v. Chr. wurden die ersten Rinder aus Ur- und Auerochsen gezüchtet. Die Ausbreitung begann in Indien und ging über Kleinasien bis hin nach Europa, wo sich bis heute verschiedene Rassen entwickelten.  Seitdem liefern uns Rinder Milch und Fleisch. Bevor vor etwa 100 Jahren Traktoren begannen, unsere Felder und Wiesen zu erobern, wurden Rinder gern als Arbeits- und Zugtiere in der Landwirtschaft eingesetzt.

Hightech-Ställe mit Wohlfühlcharakter

Milchkühe in Laufstall
Bild: agrarmotive, Adobe Stock

Wir hessischen Bauern halten unsere Milchkühe heute in modernen Liegeboxenlaufställen. In diesen können sich die Tiere frei bewegen und selbst entscheiden wann sie liegen oder fressen wollen. Jedes Tier hat eine eigene Box, die mit einer Gummimatte ausgelegt oder mit Stroh eingestreut ist. So haben unsere Kühe einen weichen Untergrund, auf dem sie bequem liegen können. Im Boden der Laufgänge sind kleine offene Spalten eingelassen. Das hat ganz praktische Gründe: So können Kot und Urin in einem großen Becken darunter verschwinden und Tiere und Stall bleiben sauber. Wir achten darauf, dass unsere Ställe offen gestaltet sind somit mit viel Tageslicht und Luft geflutet werden. Wenn es im Sommer zu warm ist, sorgen Ventilatoren und Sprinkleranlagen für die nötige Abkühlung. Bei diesen Erfrischungsmöglichkeiten werden wir nicht selten neidisch! Elektrische Kuhbürsten sorgen für den extra Wellnessfaktor der Kühe.

Zukunft schon heute

Melkroboter
Bild: ahavelaar, Adobe Stock

Entweder werden die Tiere von uns in einem Melkstand gemolken – meistens morgens und abends – oder sie können bei einem Melkroboter jederzeit selbst entscheiden, wann sie gemolken werden wollen. Dabei wird das Melkgeschirr mit Erkennungssystemen an das Euter der Kuh angesetzt. Gleichzeitig erhalten wir eine bessere Kontrolle der Tiergesundheit, indem umfangreiche Daten über die Inhaltsstoffe der Milch wie auch Daten des Tieres Rückschlüsse auf die Gesundheit des Einzeltieres und zu Risikofaktoren für die Herde ableiten lassen. Weiterhin kommen In der Milchviehhaltung Sensoren zum Einsatz, die das Wohlbefinden der Tiere überwachen – z. B. über die Messung der Wiederkauaktivität oder das Erfassen von Aktivitäts-, Lauf-, Liege- und Fressverhalten –, die eine präzise, leistungs- und bedarfsorientierte Fütterung steuern – z. B. durch den Einsatz von Transpondern und/oder Futterrobotern. Das sind echte High Tech Helfer im Stall!

Das Sauerkrautprinzip

Bei den Komponenten der Nahrung unserer Rinder unterscheiden wir zum einen in Grundfutter. Das ist das abgemähte Gras und die Kräuter von Wiesen sowie kleingehäckselte Maispflanzen. Diese Bestandteile werden frisch, getrocknet oder siliert verfüttert. Letzteres machen wir, um das Grundutter zur ganzjährigen Verfütterung zu konservieren. Das Prinzip ist ähnlich wie bei Sauerkraut. Zum anderen kommt als zusätzliche Komponente noch Kraft- und Eiweißfutter wie Gerste oder Rapsschrot in Futtertrog.

Tagesleistung reicht für 100 Personen

Bei Milchkuhrassen liegt der Schwerpunkt der Zucht darin, eine große Menge Milch zu produzieren. Die Menge an Fleisch, die ein Schlachttier dieser Rasse bringt ist verhältnismäßig gering und ist bei weitem auch kein Qualitätsmerkmal einer Milchkuh. Die häufigsten Milchkuhrassen in Deutschland sind Deutsche Holsteins (Schwarzbunt und Rotbunt), Deutsches Braunvieh, Angler/Deutsches Rotvieh und Jersey. Hättet ihr gedacht, dass eine Milchkuh pro Tag etwa 22 Liter Milch gibt? Damit könnte eine einzige Milchkuh etwa 100 Deutsche am Tag mit Frischmilch und Frischmilchlerzeugnissen versorgen - also exklusive Käse, Butter und Co!

Wertvoller Gestank

Güllefass mit Schleppschlauchverteiler
Güllefass mit Schleppschlauchverteiler Bild: Ehrecke, pixabay

Kot und Urin der Rinder mögen zwar nicht besonders gut reichen, sie sind für uns Bauern aber extrem wertvolle Stoffe. Sie dienen als Dünger für unsere Wiesen und Weiden und können sogar in Biogasanlagen zur Energiegewinnung genutzt werden.

Konzentration auf die Mittelgebirgslagen

Milchvieh auf Weide
Bild: Erwin Koch

Im Jahr 1950 gab es in Hessen insgesamt 771.000 Rinder, darunter 439.500 Milchkühe. Und es gab sogar zeitweise noch mehr Rinder in Hessen. 1961 waren es sogar 946.000. Die Zahl der Milchkühe war 1951 am höchsten mit 447.000. Im Jahr 2021 gab es dahingegen nur noch 404.133 Rinder, davon sind 127.481 Milchkühe. Das ist gar nicht mehr so viel, oder?

Im Jahr 1950 wurden in Hessen 853.000 Tonnen Milch erzeugt. Am meisten Milch wurde 1969 erzeugt, da waren es insgesamt 1,46 Millionen Tonnen. 2020 wurden in Hessen etwa 1,09 Millionen Tonnen Milch gemolken und damit sogar weniger als vor 50 Jahren.

Und auch bei der Haltung der Milchkühe hat sich inzwischen viel verändert. Inzwischen werden die meisten hessischen Milchkühe in den weiter oben beschriebenen Laufställen gehalten. Früher wurden die meisten Kühe in Anbindehaltung gehalten.